{"id":116,"date":"2011-07-18T12:32:44","date_gmt":"2011-07-18T11:32:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wildeente.com\/?p=116"},"modified":"2011-07-18T12:32:44","modified_gmt":"2011-07-18T11:32:44","slug":"alle-menschen-sind-gleich-auser-in-kurorten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.wildeente.com\/?p=116","title":{"rendered":"Alle Menschen sind gleich&#8230;Au\u00dfer in Kurorten!"},"content":{"rendered":"<p>Juhuu, endlich konnte mir mal wieder die Hutschnur platzen. Es gibt (bzw. gab) da ein wunderbares kleines Festival namens Queens Of Metal in S\u00fcddeutschland, das draussen auf den Wiesen unweit einer kleinen Stadt stattfand. Aufgrund einiger Umst\u00e4nde, die allerdings NICHTS mit dem Festival an sichzu tun haben, steht diese Location nun nicht mehr zur Verf\u00fcgung. Kommt vor, doch wenn man einen nicht unbetr\u00e4chtlichen Wirtschaftsfaktor in der Gegend darstellt, dann lassen sich in aller Regel L\u00f6sungen finden. Sollte man meinen, aber nicht hier in diesem Fall. Trotz anf\u00e4nglichem Interesse kam es nicht mal zu einem ersten Gespr\u00e4ch, sondern&#8230;aber lest lieber einen Gastartikel von Heiko Eschenbach, der das Festival von Anfang an begleitet hat und der die Lage n\u00fcchtern und objektiv zusammen gefasst hat. Ich \u00fcbergebe das Wort:<!--more--> <\/p>\n<p>Dass Vorurteile gegen Metal-Fans und ihre Kultur immer noch Bestand haben, ist ein bedauernswerter, aber kaum abstreitbarer Zustand. Diese Ablehnung geht durchaus soweit, dass man es auch von Seiten der kommunalen Politik vermeidet, mit ihren Anh\u00e4ngern \u00fcberhaupt ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Exemplarisch steht das Beispiel der Stadt Bad K\u00f6nigshofen im Grabfeld, wo die Veranstalter des in der Region von der Nachbargemeinde sehr gut angenommenen Queens Of Metal-Festivals auf Ablehnung stie\u00dfen. <\/p>\n<p>Die Situation ist szeneintern durchaus bekannt: Die Veranstalter des Queens of Metal-Festivals befanden sich vor einiger Zeit auf der Suche nach einem neuen Platz f\u00fcr ihr Event, da der alte Zeltplatz wegen Eigenbedarfs den Landwirtes nicht mehr zur Verf\u00fcgung stand. Als sie den B\u00fcrgermeister der genannten Gemeinde auf ihr Gesuch aufmerksam machten, um ein Vorgespr\u00e4ch zu vereinbaren, um sich kennen zu lernen und den Stand der Dinge zu er\u00f6rtern, wurde ein bereits vereinbarter Termin wieder abgesagt. Die Begr\u00fcndung: Bad K\u00f6nigshofen sei eine Kurstadt, das Vorhaben mit ihren Strukturen nicht zu vereinbaren. Ein uns\u00e4glicher Zustand, zumal Anh\u00e4nger des Festivals in der Vergangenheit durchaus schon Ideen und Arbeitskraft in die Gemeinde investierten: \u201cEs ist doch unm\u00f6glich, dass ich mir als jemand, der f\u00fcr seine Heimatstadt bereits gute Dienste getan hat, mit einer solchen Ignoranz begegnen lassen muss\u201d, sagt zum Bespiel Heiko, der bereits vor einigen Jahren bundesweit agierende Bands in den Ort holte, die dort auch gut angenommen wurden. Er war es, der den Kontakt zu Veranstalter Daniel Buld herstellte, genauso wie letztgenannter aber auf taube Ohren stie\u00df, als man den Ort als m\u00f6gliche Location erkannte und Kontakt zu den Verantwortlichen aufnahm. \u201cWir waren halt so naiv und haben geglaubt, es g\u00e4be eine Bereitschaft zu Gespr\u00e4chen. Die gab es aber nicht. Und keiner kann wirklich sagen, warum\u201d. Das ist in der Tat schwer zu verstehen, wenn man in Betracht zieht, dass die Gemeinde M\u00fcnnerstadt, zuvor viermaliger Ausrichter des Festivals, den Verlust der Veranstaltung aufgrund seiner guten Organisation, allerdings auch wegen der Ums\u00e4tze bedauert, die das Festival f\u00fcr die um Kleinwenkhein liegenden Ortschaften garantierte. Viele Faktoren galt es mit den Adressaten zu er\u00f6rtern, Bedenken auszur\u00e4umen, das Event zu pr\u00e4sentieren. Dass es in vier Jahren keine einzige polizeiliche Beschwerde aufgrund der Lautst\u00e4rke gab, da immer vorschriftsgem\u00e4\u00df Lautst\u00e4rkemessungen durchgef\u00fchrt wurden. Dass das Festival eine maximale Kapazit\u00e4t von 2000 Besuchern hat (ausverkauft war in den letzten vier Jahren nur einmal). Dass es nie zu besonderen Vorkomnissen, im Gegensatz zu so mancher Kirchweih noch nie zu handfesten Ausenandersetzungen kam. Dass es f\u00fcr das Festival ausreicht, wenn man sich irgendwo au\u00dferhalb der Tore der Stadt niederl\u00e4sst, um Belastungen der Anwohner zu vermeiden. Dass es bereits Konzepte gab, die Jugend der Stadt in das Festival einzubinden und somit die \u00f6rtlichen Jugendeinrichtungen, die st\u00e4ndig die Wichtigkeit von kulturellen Aktivit\u00e4ten betonen, zu integrieren. Dass man \u00fcber all das zun\u00e4chst einmal reden wollte um Alternativen und M\u00f6glichkeiten zu er\u00f6rtern \u2013 f\u00fcr den Veranstalter gab es keine Gelegenheit, trotz vorbereiteter Pr\u00e4sentationen und Schriftst\u00fccke auch nur einen dieser Gedanken face-to-face anzusprechen. \u201cMit euch verlaustem und versoffenem Metaller-Pack m\u00f6chten wir nicht sprechen\u201d &#8211; das ist die Interpretation, zu der man sich bei dieser Verweigerungshaltung veranlasst sieht.<\/p>\n<p>Das alles w\u00e4re ein bedauernswerter, aber schweren Herzens akzeptabler Umstand gewesen, w\u00e4re nicht knapp 18 Monate sp\u00e4ter in der Innenstadt ein zw\u00f6lf Stunden langes Techno-Fest genehmigt worden. Grunds\u00e4tzlich keine schlechte Sache f\u00fcr all diejenigen, deren Herz an diese Musik h\u00e4ngt. Erstaunlich aber \u2013 offenbar konnte man hier ins Gespr\u00e4ch kommen, sich \u00fcber alle Bedenken hinweg setzen und in zentraler Lage an einem Samstag aus den vollen Sch\u00f6pfen. Bemerkenswert dabei, ist dass es wieder einmal die \u00f6rtlichen Kultureinrichtungen waren, die hier bevorzugt behandelt wurden, jene, die den Segen verschiedener Bundes\u00e4mter und der \u00f6ffentlichen Hand haben. Bemerkenswert ist auch, dass es wenige Monate zuvor bereits m\u00f6glich war, Hip Hop-Workshops und diverse andere musikalische \u201cAngebote f\u00fcr die Jugend\u201d auf die Beine zu stellen. In Bad K\u00f6nigshofen sind asoziale Metaller unerw\u00fcnscht, zumindest so lange sie nicht in den \u201crichtigen\u201d Kreisen verkehren. Aberwitzig erscheint in dieser Hinsicht auch ein unmittelbar nach der Techno-Party in der Lokalpresse ver\u00f6ffentlichter Artikel, in dem der Autor, zuf\u00e4lligerweise Mitorganisator der Veranstaltung, wortw\u00f6rtlich schreibt: \u201eEs ist unverst\u00e4ndlich, dass es immer noch Menschen gibt, die Jugendarbeit und Jugendveranstaltungen f\u00fcr unsinnig halten. Jede Generation hat ihre soziale Kultur und will sich ausleben.\u201d Was au\u00dfer einem sprachlosen Seufzer soll man dem noch entgegen setzen? <\/p>\n<p>Die Reaktionen auf einen wenige Tage zuvor ver\u00f6ffentlichen Leserbrief, in dem der Missstand zum ersten Mal wirklich der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert wurde, waren in der Mehrheit zustimmend. Franz, Max, und Sven, nur einige Metal-Fans aus Bad K\u00f6nigshofen und Umgebung, waren erbost \u00fcber die Ungerechtigkeit, verbreiteten das Schreiben \u00fcber Facebook und nannten die Situation \u201cunfair\u201d und die Entscheidungstr\u00e4ger als \u201cHeuchler\u201d. Fabian Schwarz, Gitarrist der bekannten Band The New Black, der mit seinen Jungs bereits auf dem Festival gespielt hat, sieht die ganze Sache \u00e4hnlich. Die Argumente der Gegenseite, Rockmusik interessiere doch keine Sau mehr, und sei Zeit, auch mal den Anh\u00e4ngern anderer Genres eine Veranstaltung zu bieten verstummten, als sie in einem pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch pl\u00f6tzlich einstanden, dass sie die grunds\u00e4tzliche Meinung, hier ginge eine ungerechte Gewichtung von Interessen von Statten, im Grunde zustimmen m\u00fcssten. <\/p>\n<p>Das Festival jedenfalls, das viele Metal-Fans aus der Region zu ihren Lieblingen z\u00e4hlten, ist bis auf Weiteres aus dem n\u00e4heren Umfeld verschwunden. All die Arbeit und M\u00fche, und all die begeisterten Anh\u00e4nger, die lobenden Worte von Anwohnern und Beh\u00f6rdern, wie lobenswert gesittet das alles von der B\u00fchne ging, waren nicht genug, um die Ignoranten an der Spitze der Stadt zu \u00fcberzeugen. Entt\u00e4uschung macht sich breit, nicht nur bei den Veranstaltern, sondern auch bei einigen unabh\u00e4ngigen Menschen, die gegen ein solches Vorhaben nichts einzuwenden h\u00e4tten. \u201cMan muss schon alle gleich behandeln, nicht den einen so und den anderen so\u201d, sagt zum Beispiel eine 50-J\u00e4hrige, die den \u00c4rger der Anh\u00e4nger durchaus verstehen kann. So allerdings l\u00e4uft es oft heutzutage. Trotz nachwachsender Generationen und vermuteter Offenheit wird Metal-Fans weltweit mit Ablehnung begegnet, weil sie sich abgrenzen wollen, weil sie zu ihrer Leidenschaft stehen. Ihre Anliegen z\u00e4hlen nicht, und das, obwohl die einfache Auseinandersetzung mit ihnen schon so manchen Voreingenommenen \u00fcberzeugen k\u00f6nnte. Bestes Beispiel daf\u00fcr ist Kleinwenkheim: Vier Jahre lang waren die Metal-Fans hier als Teil der Gesellschaft akzeptiert und gern gesehene G\u00e4ste. Auf der Homepage wurde schon damals mit dem benachbarten Bad K\u00f6nigshofen als Ort f\u00fcr \u00dcbernachtungen geworden, so dass davon auszugehen ist, dass der ein oder andere Hotelbetreiber bereits vom Queens Of Metal-Festival profitiert hat, ohne es zu wissen. Aus ganz Deutschland waren die Metal-Fans zu dem Festival angereist, nicht jeder wollte sich zwei Tage lang den Gegebenheiten eines Camping-Platzes aussetzen. <\/p>\n<p>Letztlich wird es in vielen Gegenden Deutschlands immer eine Gruppe Musikfreunde geben, die h\u00e4rter f\u00fcr ihre Alltagsflucht und f\u00fcr ihre Leidenschaft k\u00e4mpfen muss, als andere. Und immer wieder wird man sich hinterher die H\u00e4nde reiben, wie sehr man es den verkommenden Rockfans doch mal wieder gezeigt hat. <\/p>\n<p>Heiko Eschenbach f\u00fcr Wilde Ente<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Juhuu, endlich konnte mir mal wieder die Hutschnur platzen. Es gibt (bzw. gab) da ein wunderbares kleines Festival namens Queens Of Metal in S\u00fcddeutschland, das draussen auf den Wiesen unweit einer kleinen Stadt stattfand. Aufgrund einiger Umst\u00e4nde, die allerdings NICHTS mit dem Festival an sichzu tun haben, steht diese Location nun nicht mehr zur Verf\u00fcgung. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[16,40,41,42],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.wildeente.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/116"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.wildeente.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.wildeente.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.wildeente.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.wildeente.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=116"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.wildeente.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/116\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":119,"href":"http:\/\/www.wildeente.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/116\/revisions\/119"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.wildeente.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=116"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.wildeente.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=116"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.wildeente.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=116"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}